Unsere Nachzucht
Von der Entscheidung bis ins hohe Alter.
Ein Wurf beginnt lange vor der Geburt
Wenn bei uns Welpen geboren werden, liegt hinter dieser Entscheidung meist bereits eine lange Zeit des Beobachtens.
Wir möchten nicht nur wissen, wie ein Hund aussieht oder welche Ergebnisse auf seinen Gesundheitsuntersuchungen stehen. Entscheidend ist für uns das Gesamtbild: Wie hat er sich entwickelt? Wie lebt er mit Menschen und anderen Hunden? Wie reagiert er unter Belastung? Wie sicher und regulierbar ist er im Alltag?
Ebenso wichtig ist seine Herkunft.
Wenn wir die Möglichkeit dazu haben, beobachten wir eine Linie bereits über die Trächtigkeit der Mutter, die Geburt und die Entwicklung eines gesamten Wurfes. Eltern, Geschwister und bestehende Nachzucht beziehen wir ebenso ein – teilweise über mehrere Generationen.
Manche Linien begleiten wir deshalb über Jahre, bevor daraus überhaupt eine konkrete Idee für unsere Zucht entsteht.
Denn frühe Anlagen sind interessant. Was daraus tatsächlich wird, zeigt erst die Zeit.
Zwei gute Hunde ergeben nicht automatisch eine gute Verpaarung
Die entscheidende Frage ist für uns nicht, ob Hündin und Rüde jeweils gute Hunde sind.
Sondern: Sind diese beiden Hunde miteinander sinnvoll?
Wir betrachten Herkunft, Gesundheit, Zähne, Körperbau und Bewegung ebenso wie Wesen, Sozialverhalten, Arbeitsbereitschaft, Jagdtrieb und den Umgang mit Stress.
Kennen wir beide Hunde persönlich, interessiert uns auch ihre Kommunikation miteinander. Wie begegnen sie sich? Wie verhalten sie sich in Bewegung und Ruhe, beim Menschen und untereinander? Wo ergänzen sie sich – und wo würden sich Eigenschaften möglicherweise ungünstig verstärken?
Manchmal möchten wir eine Stärke festigen. An anderer Stelle suchen wir bewusst einen Ausgleich, körperlich wie charakterlich.
Dabei denken wir nicht nur an das bestmögliche Ergebnis einer Verpaarung.
Wir müssen auch das Ergebnis verantworten können, das am anderen Ende der Möglichkeiten liegt.
Unsere bisherigen Würfe haben diesen Blick immer weiter geschärft. Beim A-Wurf sind wir körperlich beispielsweise sehr nah an das gekommen, was wir uns erhofft hatten. Charakterlich hätten wir uns teilweise etwas mehr von Boss' Ruhe gewünscht.
Bei Boss und Maya wiederum ist vieles von dem zusammengekommen, was wir uns von dieser Kombination versprochen hatten. Candy und Fred sind für uns zwei besonders schöne Beispiele dafür.
Denn erst die Nachzucht zeigt, welche Eigenschaften ein Hund nicht nur selbst besitzt, sondern welche davon er tatsächlich weitergibt.
Wohin wir möchten
Wir möchten aus dem Thai Ridgeback keine andere Rasse machen.
Seine Eigenständigkeit, Sensibilität, Wachsamkeit und besondere Art der Bindung gehören für uns dazu.
„Rassetypisch“ ist für uns allerdings keine Begründung dafür, dass ein Hund im heutigen Alltag kaum erreichbar, massiv unsicher oder schwierig zu regulieren sein darf.
Unser Ziel ist ein gesellschaftsfähiger Thai Ridgeback: eigenständig und charaktervoll, gleichzeitig ansprechbar, umweltsicher und im Alltag führbar.
Dazu gehören für uns ein besser regulierbarer Jagdtrieb, Offenheit, charakterliche Stabilität und ein funktionaler, belastbarer Körper.
Schönheit gehört ebenfalls dazu, steht aber nicht an erster Stelle.
Unser Bild ist klar: sportlich, elegant und funktional.
Wir möchten keine immer schwereren oder übertypisierten Hunde. Bewegung und Gangwerk, Proportionen, Winkelungen, Pfoten, Größe, Substanz und Belastbarkeit müssen zusammenpassen.
Ein schöner Thai Ridgeback soll für uns nicht nur gut aussehen.
Er soll seinen Körper auch entsprechend benutzen können.
Trächtigkeit
Ist eine Hündin tragend, passen wir ihren Alltag an ihre individuellen Bedürfnisse an.
Sie bleibt so lange wie möglich in ihrem gewohnten Leben, bekommt angemessene Bewegung und ihre Fütterung wird dem Verlauf der Trächtigkeit entsprechend angepasst. Unser Ziel ist, ihr Wohlbefinden zu unterstützen und gleichzeitig Kondition und Muskulatur möglichst gut zu erhalten.
Bei Untersuchungen gilt für uns: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Ob beispielsweise ein Ultraschall sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wie die jeweilige Hündin mit der Untersuchung umgeht. Bei Unsicherheit kann kurz vor der Geburt ein Röntgenbild zusätzliche Klarheit schaffen.
Auch die Trächtigkeit selbst liefert uns Informationen über eine Zuchthündin: wie sie körperlich damit umgeht, wie belastbar sie bleibt und wie sie sich in dieser Phase verändert.
Denn für unsere Beurteilung zählt nicht nur der fertige Wurf.
Auch der Weg dorthin gehört zur Zucht.
Geburt
Unsere Würfe werden in unserem Schlafzimmer geboren.
Kurz vor der Geburt wird dort die Wurfbox vorbereitet, und wir bleiben in dieser Zeit eng bei der Hündin.
Im Idealfall verläuft eine Geburt weitgehend selbstständig. Unsere Aufgabe sehen wir zunächst im Beobachten, Dokumentieren und darin, verfügbar zu sein, wenn Unterstützung notwendig wird.
Bei den Welpen achten wir unter anderem auf Geburtsgewicht, Vitalität, Atmung und Saugverhalten. Gleichzeitig beobachten wir die Mutter und den Verlauf der Geburt aufmerksam. Wenn etwas nicht so verläuft, wie es sollte, stehen wir mit unserem Tierarzt in Rücksprache.
Wir greifen ein, wenn es notwendig ist – nicht, weil wir jeden natürlichen Ablauf kontrollieren möchten.
Auch nach der Geburt bestimmt die Hündin wesentlich mit, wie viel Nähe sie zu den anderen Hunden zulassen möchte. Rückzug ist jederzeit möglich.
Die ersten Wochen
Die ersten Tage gehören vor allem der Mutter und ihren Welpen.
Die Wurfbox wird sauber gehalten, die Entwicklung der Welpen kontrolliert und ihr Gewicht regelmäßig dokumentiert. Gleichzeitig achten wir darauf, nicht aus jeder normalen Entwicklung eine Übung zu machen.
Die Kontrolle auf Dermoid Sinus beginnt bereits in den ersten Lebenstagen und wird während der Aufzucht wiederholt. Eine weitere Kontrolle erfolgt beim Tierarzt.
Auch das Zufüttern richtet sich nach der Entwicklung des Wurfes, der Milchleistung der Mutter und der individuellen Situation.
Der Wurf gibt das Tempo vor.
Ungefähr ab der dritten Woche ziehen die Welpen ins Wohnzimmer und damit mitten in unseren Alltag.
Kinder, Katzen, unsere Hunde, Besucher und normale Haushaltsgeräusche gehören von da an selbstverständlich zu ihrem Umfeld. Später wird dieser Radius schrittweise erweitert: Garten, Autofahrten, Natur, Stadt und unterschiedliche Umgebungen kommen hinzu.
Auch körperliches Handling, Pfoten, Krallen, Zähne und Leine werden selbstverständlich in den Alltag integriert.
Nicht als Liste von Aufgaben, die ein Welpe möglichst früh abgearbeitet haben muss.
Sondern als Vorbereitung auf ein normales Leben.
Sozialisation bedeutet nicht möglichst viel
Uns interessiert nicht, wie viele Situationen ein Welpe bis zu einem bestimmten Alter erlebt hat.
Uns interessiert, wie er sie verarbeitet.
Neue Erfahrungen sollen Sicherheit schaffen und nicht lediglich eine möglichst lange Liste produzieren. Deshalb bekommt auch nicht jeder Welpe exakt dasselbe Programm.
Je besser wir sein späteres Zuhause kennen, desto gezielter können wir bestimmte Erfahrungen in die Aufzucht einbeziehen.
Genauso wichtig ist für uns Ruhe.
Unsere Welpen müssen nicht permanent beschäftigt werden. Sie dürfen lernen, dass Alltag auch daraus besteht, zu warten, zu beobachten und zur Ruhe zu kommen.
Währenddessen beobachten wir ihre Entwicklung: Nähe und Selbstständigkeit, Frustrationstoleranz, Reaktionen auf Neues, Erholung nach Aufregung, Kommunikation mit anderen Hunden, körperliche Dynamik und Orientierung am Menschen.
Unsere erwachsenen Hunde sind dabei ein wichtiger Teil ihres sozialen Umfeldes. Boss beispielsweise hat Kontakt zu seinen Welpen, kommuniziert mit ihnen und setzt Grenzen.
Nicht alles, was ein Welpe über Hunde lernen muss, kann ihm ein Mensch vermitteln.
Die zukünftigen Familien
Im besten Fall lernen wir zukünftige Besitzer bereits vor einer Verpaarung kennen.
Uns interessiert weniger, ob jemand auf dem Papier perfekt erscheint, sondern wie dieser Mensch tatsächlich lebt, welche Erwartungen er an einen Hund hat und ob diese zu einem Thai Ridgeback und zu einem unserer Welpen passen.
Hundeerfahrung ist für uns keine Voraussetzung.
Selbstreflexion ist uns wichtiger.
Während der Aufzucht halten wir die zukünftigen Familien eng über die Entwicklung ihres Welpen auf dem Laufenden. Bilder, Videos, Gespräche und – ab einem passenden Alter – Besuche gehören für uns dazu.
So lernen nicht nur wir die Menschen kennen.
Auch die Menschen erleben, wie sich der Wurf entwickelt.
Welcher Hund passt zu welchem Menschen?
Zukünftige Besitzer dürfen selbstverständlich Wünsche haben. Auch das Geschlecht kann eine wichtige Rolle spielen.
Die endgültige Zuordnung treffen wir jedoch erst, wenn wir die einzelnen Welpen ausreichend einschätzen können – meistens zwischen der sechsten und achten Woche, manchmal später.
Wir romantisieren diesen Prozess nicht.
Ein Welpe hat nicht automatisch „seinen Menschen gewählt“, weil er bei einem Besuch besonders lange auf dessen Schoß gelegen hat.
Wir erleben unsere Welpen jeden Tag und in sehr unterschiedlichen Situationen. Gleichzeitig versuchen wir, ihre zukünftigen Menschen so gut wie möglich kennenzulernen.
Beides bringen wir zusammen.
Wenn wir einen bestimmten Welpen bei einem Menschen nicht sehen, sagen wir das. Und wenn unsere Einschätzung und die Vorstellungen eines Interessenten nicht zusammenpassen, kann die richtige Entscheidung auch sein, keinen Welpen von uns abzugeben.
Wir möchten nicht für jeden Menschen irgendeinen Welpen finden. Wir möchten für jeden unserer Welpen möglichst den richtigen Menschen finden.
Der Auszug ist nicht das Ende
Unsere Welpen ziehen frühestens mit acht Wochen aus.
Bis dahin sind sie geimpft, gechippt und entwurmt, besitzen ihren EU-Heimtierausweis und wurden auf Dermoid Sinus kontrolliert. Dazu kommen die entsprechenden Untersuchungen und Unterlagen rund um den Wurf.
Mit ins neue Zuhause gehen alle relevanten Dokumente und Informationen sowie vertraute Dinge für die erste Zeit.
Wenn eine Familie ihren Welpen nicht selbst abholen kann, bringen wir ihn nach Möglichkeit persönlich in sein neues Zuhause.
Dort darf er zunächst ankommen. Danach soll er aber auch seinen tatsächlichen Alltag kennenlernen – denn genau darauf haben wir versucht, ihn vorzubereiten.
Und wir möchten wissen, wie es weitergeht.
Gesundheit, Zähne, Verhalten und Entwicklung unserer Nachzucht sind für spätere Zuchtentscheidungen wichtige Informationen. Positive Entwicklungen interessieren uns ebenso wie Probleme oder Auffälligkeiten.
Deshalb freuen wir uns auch, wenn unsere Nachzucht später auf HD, ED, Patella und Wirbelsäule untersucht wird.
Nur mit ehrlichen Rückmeldungen können wir unsere eigene Zucht langfristig beurteilen.
Ein Teil unserer Zucht – ein Leben lang
Auch Jahre nach dem Auszug dürfen unsere Welpenkäufer uns kontaktieren.
Wir können einem Besitzer die Verantwortung für seinen Hund nicht abnehmen. Wir erwarten Eigeninitiative, Lernbereitschaft und die Bereitschaft, den eigenen Umgang mit dem Hund zu reflektieren.
Aber wenn Fragen oder Probleme entstehen, möchten wir davon wissen.
Und wenn ein Zuhause tatsächlich nicht mehr funktioniert, ebenfalls.
Für unsere Hunde besteht ein vertragliches Vorkaufsrecht. Im Zweifel gehört für uns zur Verantwortung eines Züchters auch die Bereitschaft, einen selbst gezüchteten Hund wieder aufzunehmen.
Denn mit dem Auszug gehört dieser Hund seiner Familie.
Seine Entwicklung bleibt trotzdem ein Teil unserer Zucht.
Wir möchten wissen, wie unsere Nachzucht erwachsen und irgendwann alt wird. Welche Eigenschaften sich wiederholen, wo Schwierigkeiten entstehen, was sich gesundheitlich zeigt – und welche unserer früheren Entscheidungen wir mit einigen Jahren Abstand vielleicht anders beurteilen.
Dieses Wissen fließt in die nächste Generation ein.
Wann ein Wurf für uns abgeschlossen ist?
Wahrscheinlich erst mit dem letzten Atemzug des letzten Hundes.
Unsere Würfe
Jeder unserer Würfe hat uns etwas anderes gezeigt.
Manches hat unsere Erwartungen bestätigt, manches hat uns überrascht und manches hat unsere ursprünglichen Gedanken verändert.
Deshalb zeigen wir unsere Nachzucht nicht nur mit Bildern aus der Welpenzeit, sondern auch mit dem, was wir heute über diese Hunde wissen.
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